Forschung

1. Gegenstand

Die Türkei ist ein Land historischer und aktueller Nähe zu Europa. Geographisch: Ein Teil der Türkei liegt in Europa. Historisch: Das Osmanische Reich trat das Erbe Ostroms an und überlieferte die Errungenschaften der griechischen Antike. Politisch: Die Türkei hat sich seit ihrer Gründung den Werten westlicher Demokratien verpflichtet. Dass ein großer Teil ihrer Bürger an Allah glaubt, hat diese Nähe nicht behindert.

Die Entwicklung der Türkei vom Osmanischen Reich zum Nationalstaat verlief allerdings - anders als in den Ländern Mitteleuropas – als eine Bewegung der politischen Staatselite und nicht als bürgerliche Revolution. Will man nicht nur die Nähe ins Auge fassen, sondern ebenso die Ferne der Türkei von Europa, so ist dieser Unterschied sicher eine Schlüsselvariable in der Erklärung von Distanz.

Doch nach dem II. Weltkrieg bestätigten die Türken die demokratische Staatsverfassung in der Wahl von 1950. Die Türkei gliederte sich in die verschiedenen Organisationen der westlichen Staatengemeinschaft ein. Zugleich pflegt die laizistische Türkei die enge Verbindung mit islamischen Ländern, auch solchen, in denen der Islam die Staatsführung bestimmt. Das Land bildet deshalb politisch und kulturell eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Maßgeblich für ihre politische Positionierung ist aber auch, dass die Türkei ein wirtschaftliches Schwellenland ist und sich um die EU-Mitgliedschaft bemüht.

In der Diskussion um den EU-Beitritt werden kulturelle, politische und historische Unterschiede der Türkei zu den Mitgliedsländern zum Thema. Die Verwendung dieser Unterschiede für eine lobende oder tadelnde Beurteilung der Türkei ist ein probates Mittel der deutschen Türkei-Politik. Die Qualität politischer Lösungen wird aber davon abhängen, welchen Realitätsbezug die Urteile haben. Und hier ist über politische Analysen hinaus die wissenschaftliche Detaillerecherche gefragt.

Dies erfordert ein Ausholen in der Bearbeitung der Forschungsthemen. Die allgemeine Wissensbasis über die Türkei ist zumindest in Deutschland schmal im Verhältnis zu dem Wissen über die unmittelbaren Nachbarn. Wer, außer einigen Fachleuten, weiß zum Beispiel Bescheid über Verwaltungssystem, politische Kultur, kulturelle und soziale Pluralität der türkischen Gesellschaft? Soll aber Dialog und Praxis der bilateralen Beziehungen nicht auf tönernen Füssen stehen, muss der allgemeine Informationsfluss zwischen Deutschland und der Türkei verdichtet und erweitert werden. Historische und aktuelle Information über die Türkei werden darüber hinaus nur aussagekräftig vor einem erklärenden Hintergrund. Wenn dieser fehlt, entstehen Vorurteile. Diese bilden die Grundlage für Ausländerfeindlichkeit.

Meine Arbeiten bieten neue Information über Geschichte und Gegenwart der Türkei und der deutsch-türkischen Beziehungen.

Die Arbeiten sind fachübergreifend und sie sind in Fachorganen unterschiedlicher Disziplinen in Deutschland und der Türkei in Deutsch, Englisch und Türkisch erschienen. Zusammenfassungen und journalistische Arbeiten sind in nicht-wissenschaftlichen Periodika publiziert.

2. Vorgehen

Das Vorgehen bei der Recherche zu den Grundlagen der vorgestellten Publikationen entspricht insgesamt den üblichen Methoden der Literaturrecherche, historischer Quellenforschung, sowie den Verfahren zur Erhebung mündlicher Überlieferung. Im Anschluss wird die Forschungsmethodik nicht in Form eines Arbeitsberichts vorgeführt, also Arbeits- und Auswertungspläne, Interviewleitfäden und Statistiken vorgelegt, sondern es werden einige allgemeine Merkmale der Forschung vorgestellt.

Die Beschreibung zeigt einen prägnanten Ausschnitt meiner Untersuchungen, die ich in der Türkei durchgeführt habe.

Feldforschung als interkultureller Dialog

Persönliche Vorbedingungen

Ein Vorhaben, welches einen historischen oder aktuellen Gegenstand in der Türkei behandelt, muss mit einer Untersuchung zur Quellenlage beginnen und schon dies setzt entsprechende Sprachkenntnisse voraus. Es setzt weiter die Kenntnis des Landes voraus. Und nicht zuletzt ist Forschung auch nur zu schriftlichen Quellen wie überall eine soziale Angelegenheit und erfordert soziale Kompetenz, sogenannte `soft skills´:

Die Fähigkeit sich in andere Lebenslagen, Verhaltensmuster, Denkweisen, organisatorische Strukturen einzudenken, ist immer dann besonders gefordert, wenn auch das Feld neu ist, in dem der Forscher operiert.

Dazu kann von Vorteil sein, in unterschiedlichen Kulturkreisen sozialisiert zu sein. Dass ich einen Teil meiner Jugend in der Türkei verbracht, hat mich nicht nur mit dem Land vertraut gemacht. Vielmehr hat der häufige Wechsel des sozialen Umfelds (mein Vater war Diplomat) insgesamt die Fähigkeit gefördert, sich im Dialog auf die `Sicht des Anderen´ einzustellen. Grundsätzlich hat dies Leben in verschiedenen kulturellen Welten das Hinterfragen gängiger Urteilsmuster zur Gewohnheit gemacht, ganz gleich, ob die ensprechenden Begriffe, wie zum Beispiel Islam, Nation, Mentalität oder allgemein die Vorstellung von dem `Fremden´ mit positiven oder negativen Vorzeichen versehen sind.

Fragestellung zum Thema `Türkeiemigration´

Im Zentrum der Themengebiete meiner Forschung steht die Emigration deutschsprachiger Wissenschaftler in die Türkei von 1933-1945.

Leitfrage der Untersuchung war: Welche Wirkung haben emigrierte Wissenschaftler und die wissenschaftlichen Schulen, die sie vertraten, auf das Aufnahmeland ausgeübt? Diese Frage enthält den Gesichtspunkt der Wirkung der Emigration auf die Emigranten selbst, d.h. die Frage nach den Veränderungen, die sich mit der Emigration für sie und ihre wissenschaftliche Arbeit ergaben.

Das bedeutet, dass das theoretische Einzugsgebiet die Bedingungen enthalten mußte, die eine Wirkung begünstigen oder verhindern. Die Forschung umfasste die fachliche und politische Vorgeschichte der Emigration und die entsprechende Geschichte der Emigranten im nationalsozialistischen Deutschland. Ebenso mussten die türkischen Wissenschaftstraditionen und die zur Zeit der Emigranten aktuellen sozialen, politischen, administrativen und fachlichen Bedingungen für eine Wirkung der Emigration im Aufnahmeland Türkei erfasst werden.

Das bedeutet, dass im Rahmen der Untersuchung Quellenfundorte und Interviewpartner in Europa und der Türkei aufgesucht wurden. Informanten in den USA wurden schriftlich oder während eines Europa-Aufenthalts befragt.

Aspekte der Methodenwahl

Historische Forschung behandelt Vergangenes. Damit ergibt sich die Frage nach der Überprüfbarkeit der Daten. Methoden etwa der empirischen Sozialforschung lassen sich nicht anwenden, weil sich experimentelle Situationen nicht herstellen lassen. Die Validität von Aussagen wird um so größer sein, um so mehr von einander unabhängige Quellen recherchiert werden können, die die Daten und Hypothesen unabhängig voneinander bestätigen oder widerlegen. Wenn darin Wenn-Dann Beziehungen, wie etwa in der Wirkungsforschung untersucht werden, also Kausalitäten Gegenstand sind, tritt dasselbe Problem noch einmal auf der Ebene der Messbarkeit auf. Hier ist die Frage, ob überhaupt auszählbare Daten erhoben werden können, die in Bezug auf die Häufigkeit ihres in der Vergangenheit festgehaltenen Auftretens miteinander verglichen werden können, oder ob andere Erkenntnisgrundlagen aufzufinden sind.

Quer zur Quellenlage einzelner Forschungsgebiete erhebt sich natürlich auch in der Geschichtswissenschaft der Methodenstreit. Nur ist es hier nicht immer ausschließlich eine Frage der Entscheidung, welche Forschungsmethode gewählt wird. Forscht man z.B. über eine Gruppe von Emigranten, so kann das Auffinden persönlicher Daten, die die Emigration dieser Gruppe aus Deutschland in ein anderes Land belegen, schon eine Entdeckung sein, wenn vorher nichts über die Gruppe bekannt war. Dieser Forschungsstand kann unter Umständen mangels Quellen auch nicht erweitert werden. Eine Begrenzung der Forschungsmöglichkeit entsteht aber ebenso durch eine Normierung der Forschungsmethodik, die zum Beispiel überhaupt nur monographische Daten als wissenschaftlich anerkennt oder bei anderer Datenlage nur Forschungsresultate anerkennt, die auf Messverfahren beruhen. Dann hört die erforschte Welt dort auf, wo die hypostasierte Methode nicht greift.

Wie auch immer der Forschungsstand beschaffen sein mag, wissenschaftliche Grundlagenforschung zielt je nach der Ausgangslage und dem Gegenstand auf die Erweiterung der Datenlage. Bei der Wirkungsforschung geht es vor allem um die Aufdeckung von Erklärungszusammenhängen und sie ist damit auf neue oder auch nur die Anwendung unterschiedlicher Forschungsmethoden angewiesen.

Die Annäherung an das Themenfeld meiner Forschung wurde entsprechend selbst als Exploration aufgefasst.

Die Auswertung vorhandener Publikationen zum Thema und Interviews mit noch lebende Emigranten, vor allem aber einer ersten Gruppe von Schülern der Emigranten, also türkischen Akademikern, boten eine erste Informationsplattform zu den Bedingungen und Folgen des Transfers einzelner Fächer in die Modellorganisationen der türkischen Republik.

Interviews

Es zeigte sich bald, dass die Befragten, soweit sie Selbsterlebtes wiedergaben, ihre Erinnerung und Selbstdarstellung als festumrissene Geschichte erzählten. Gegenüber weiterführenden Fragen oder gar einem Hinterfragen des Dargestellten wurde eher an der je kanonisierten Erzählung festgehalten. Die deutschen und österreichischen Emigranten nahmen die Gelegenheit wahr, vor allem Lebensgeschichtliches zu schildern und ihre Erfahrungen mit dem nationalsozialistischen Deutschland und mit dem Exil Türkei neu zu beleben und darzustellen.

Die Möglichkeit, jenseits des Repertoires Erinnerungen zu den gewünschten Themen aufzudecken ergab sich erst durch die Herstellung von Kontinuitäten, d. h., es wurden immer wieder Gesprächssituationen mit je angepassten Frageleitfäden hergestellt, bis die gewohnte Erzählbahn verlassen wurden oder sich die alte Struktur als nicht erweiterbar erwies .

Galten auch die Befragungen der Emigranten bzw. der deutschsprachigen Zeitzeugen nicht nur der Vertreibungsgeschichte, sondern auch der Feststellung der Wirkungsgeschichte, so war es vor allem eine zweite Gruppe von Informanten, die über den Fachtransfer durch Emigranten Auskunft geben konnten. Das waren die türkischen Schüler der Emigranten, die selbst ihre akademischen Lehrer auf den Lehrstühlen abgelöst hatten und die als türkische Vertreter moderner Forschung und Lehre Pioniere ihres Fachs an den türkischen Hochschulen geworden waren. Sie waren nicht nur Zeitzeugen, sondern selbst Wissenschaftler, die besonders die fachlichen Aspekte der Arbeit der Emigranten beschreiben konnten Die Bedeutung dieser Gruppe von Interviewpartnern für die Wirkungsforschung lässt sich leicht ermessen.

Sollte die Forschung hier systematischen Ansprüchen genügen, so galt es - abgesehen von einer Daten-Erfassung möglichst aller türkischen Schüler der betreffenden Emigrantengruppe - für jedes durch Emigranten vertretene Fach mindestens zwei akademische Nachfolger als Interviewpartner zu gewinnen.

Schon die Herstellung dieser Initialstufe der Forschung erforderte einen Aufenthalt `im Feld´, d. h. einen Aufenthalt an den Wohnorten türkischen Honoratioren in der Türkei. Denn eine Vermittlung weiterer Namen und auch der Vermittlung von Interviewterminen verlief entlang der Freundes- und Kollegenkreise einer ersten kleinen Gruppe von Befragten nach dem Schneeballsystem.

Grundlage für den Aufbau eines größeren Netzwerks von türkischen Interviewpartnern in Ankara, Izmir und Istanbul waren die persönlicher Beziehungen zu den Interviewten, die durch die Kontinuität der Gespräche entstand. Die berühmte türkische Gastfreundschaft hätte jeden anfragenden Ausländer integriert. Aber nur als Sympathieträgerin wurde mir die Chance zur Aufnahme in die Bekanntenkreisen meiner ersten Ansprechpartner zuteil. Natürlich ermöglichten meine Sprachkenntnisse eine entspannte Gesprächssituation, obwohl viele türkische Gesprächspartner außerordentlich gut Deutsch sprachen. Zugute kam mir auch, dass sich mit meinem Auftreten keinerlei institutionelle Interessen verbanden. Es gab keine Instanz, deren Interessen ich vertreten hätte und deren etwaige politische Bedeutung im deutsch-türkischen Dialog hätte beachtet werden müssen. So gab es keinen Druck, mich im Rahmen übergeordneter Netzwerke – wie etwa der Entwicklungshilfe, des diplomatischen Dienstes, der Presse und ähnlicher Einrichtungen informieren zu müssen. Der Wunsch, mir zu helfen, trat in den Vordergrund. Mir zu helfen, die ich als Frau dies Unternehmen durchführte, war dabei durchaus ein zusätzliches positives `gender´-Motiv. Allerdings hatten auch die türkischen Hochschullehrer, in der Regel emeritierte Ordinarien, zunächst das Anliegen, die besondere Position des betreffenden Emigranten und die eigene Rolle in der türkischen und internationalen Wissenschaftsgeschichte zu erläutern. Eine Besinnung der Befragten auf weitere wissenschaftshistorische Aspekte meines Forschungsansatzes wurden auch in diesem Fall durch `Langzeitgespräche´ möglich.

In vielen Fällen hatten die Interviewten diese Aspekte bereits reflektiert und entwickelten sie im Dialog mit mir weiter, besonders dann, wenn sie bereits selbst wissenschaftshistorischen Arbeiten zur Geschichte ihres Fachs verfasst hatten. Zu erwähnen ist, dass die Gruppe der Gesprächspartner insgesamt auch aus Angehörigen der deutschen Kolonie und aus Angehörigen der sephardischen Gemeinde Istanbuls bestand.

Der längere Aufenthalt brachte es mit sich, dass sich mein Vorhaben herumsprach und nicht nur ich selbst Kontakte initiierte, sondern dass Gesprächspartner an mich herantraten.

Die mündlichen Angaben von türkischen und deutschen Zeitzeugen (wie auch von Emigranten und Emigrantinnen) in Interviews bildeten als `weiche´ Quellen lediglich einen Einstieg und eine Ergänzung zu den aus den übrigen Quellen gewonnenen Daten. Das Urteil über das historische Ereignis der `Türkeiemigration´, wie es die Interviewpartner mit ihrer Erzählung formulierten, wurde als gesondertes Forschungsresultat festgehalten.

Die Resultate der `teilnehmenden Befragung´ erhielten Erweiterung und Überprüfung durch Verwaltungsdokumente.

Verwaltungsakten in türkischen Institutionen

Grundlage für den Zugang zu amtlichen Dokumenten war eine Forschungsgenehmigung vom türkischen Außenministeriums.

Mögliche Fundorte waren die Arbeitsstellen der Emigranten in der Türkei, bzw. der übergeordneten Verwaltungseinrichtungen und Ministerien.

Hier galt es zunächst die Quellenlage zu eruieren und dazu die Verwaltungsstrukturen der Institutionen zur Zeit der Emigranten festzustellen. Hierbei waren mir Erfahrungen aus früheren Forschungsaufenthalten von Nutzen.

Die Weitergabe von Informationen zu Aktenarchiven und schließlich die Herausgabe des Materials lag - nach Vorlage der allgemeinen Genehmigung - in der Zuständigkeit der einzelnen Einrichtungen, d. h. den Nachfolgeinstitutionen der ehemaligen Wirkungsstädten der Emigranten.

Das bedeutete ein Vorsprechen bei den Vertretern der Zuständigkeitsbereiche in den Institutionen und in den meisten Fällen eine Vorstellung bei dem Leiter der entsprechenden Einrichtung. Das Auffinden der Dokumente, also der Personalakten der Emigranten und des Schriftverkehrs der Verwaltungsabteilung der Einrichtung zur Zeit der Emigranten erforderte eine Recherche durch die Beamtem oder Angestellten selbst, häufig dann, wenn die Akten vorher noch nie zu Forschungszwecken verwandt worden waren. In manchen Fällen wurden bereits pensionierte Beamte mit Kenntnis der Aktenlage ausfindig gemacht und befragt.

In anderen Fällen mussten die Zuständigkeiten und Zugangsbedingungen erst geklärt und Genehmigungen auch auf ministerieller Ebene eingeholt werden.

Zu dieser Aktenrecherche gehörte auch die Erhebung von grauer Literatur, wie Vorlesungsverzeichnisse, Studentenzeitungen, Jahresberichte von Instituten, Entwürfe zu Vorlesungen, Lehrbuchentwürfe, Monographien zur Geschichte der Einrichtungen oder Festschriften, soweit sie in geringer Auflage zu bestimmten Anlässen erstellt und archiviert waren.

Dieses Gebiet der Forschung war fast völliges Neuland nicht nur für mich, sondern für die türkischen Mediatoren selbst und konnte nur in enger Zusammenarbeit mit diesen erschlossen werden. Das Material wurde vor Ort an den entsprechenden Einrichtungen ausgewertet und wenn möglich kopiert.

Der Einsatz der türkischen Zuständigen war erheblich und beruhte, wie bei den türkischen Interviewpartnern auf dem Verständnis für die Sache und auf einer außerordentlichen Hilfsbereitschaft. Auch die Arbeit zu den Dokumenten war ein Prozess der interkulturellen Kommunikation, deren Merkmale einer gesonderten Auswertung harren.

Publikationen in der Türkei

Drittes Gebiet der Erhebung in der Türkei war die schriftliche Hinterlassenschaft der Emigranten und ihrer Schüler. Diese konnte nur zum Teil über die privaten Sammlungen der türkischen Akademiker erschlossen werden. Orte dieser Erhebung waren die Bibliotheken an den Wirkungsstädten der Emigranten, aber auch größere Büchereien mit einschlägigen Themengebieten. An Bibliotheken wurden auch Informationsmaterial zur Zeitgeschichte und zu den Rahmenbedingungen für die Anstellung von Emigranten, sowie historische und wissenschaftshistorische türkische Publikationen bis hin zu Zeitungsartikeln und Parlamentsdebatten gesammelt.

Auch in diesem Feld waren die Zugangsbedingungen unterschiedlich und der Verlauf der Forschung ähnelte dem Vorgehen bei der Aktenerhebung. Ohne die Hilfe und den Einsatz der Zuständigen vor Ort hätte die Recherche wenig Erfolg gehabt. Widerstände einzelner Kompetenzträger gelang es mit der Hilfe und dem Einsatz von Vertretern übergeordneter Behörden immer wieder zu überwinden. Insgesamt wurde auch im Bereich der Verwaltung ein Netzwerk von Beziehungen geschaffen, mit dem ich in kontinuierlichem Austausch vor Ort stand.

Das in der Türkei erhobene Material wurde mit den in Europa erfassten Unterlagen kombiniert. Hinweise auf die dort aufgesuchten Rechercheorte und Quellen finden sich in den Angaben zu den einschlägigen Veröffentlichungen.

Die mehrdimensionale Erhebungsweise machte es möglich, die Daten interdisziplinär untereinander zu überprüfen und daraus einen Standard für ihre Validität festzulegen.

Bisher sind 15 Aufsätze über den Themenkreis publiziert und die Veröffentlichung der Resultate wird fortgesetzt.

Die Forschungserfahrungen haben den Duktus für weitere Vorhaben in der Türkei bestimmt: Objektivität lässt sich nur herstellen, wenn sich vorgefasste Urteilsmuster im Dialog mit türkischen Fachleuten und, je nach Thema, auch Betroffenen eines Zeitgeschehens, der Überprüfung aussetzen.

Dank

An dieser Stelle möchte ich allen Freunden und Helfern in der Türkei und anderen Orten dieser Forschung meinen Dank aussprechen. Ohne den unermüdlichen Beistand vor allem meiner türkischen Ansprechpartner und Freunde hätten meine Unternehmungen nicht gelingen können. Ihre Zuwendung ging weit über einen formalen Einsatz hinaus. Ich verdanke ihnen die Erfahrung, dass Kulturunterschiede nicht an Ländergrenzen gebunden sind und dass menschlichen Beziehungen die Verständigung hemmende Unterschiede im interkulturellen Dialog überwinden können.

© Regine Erichsen
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