Publikationen

Abstracts

Zur wirtschaftlichen Situation von Ausländern in der Bundesrepublik

  • Zurückkehren oder bleiben? Zur wirtschaftlichen Situation von Ausländern in der Bundesrepublik.
    In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Bonn, B24/88, 10. Juni 1988, S.14-21.
    (diese Arbeit in einer Zeitungsbeilage wird hier aufgeführt, weil sie wissenschaftlichen Standards entspricht und in Schulbüchern zitiert wird).

    Inhalt
    Die Literaturarbeit beschäftigt sich mit Divergenzen der Ausländerpolitik der Bundesrepublik Deutschland nach Maßgabe des sog. `magischen Zieldreiecks´: Begrenzung der Zuwanderung/ Stärkung der Rückkehrbereitschaft/ Wirtschaftliche und soziale Integration.
    Vor diesem Hintergrund wird die Lage der Ausländer anhand von Einstellungen und Beschäftigungsprofilen (achtziger Jahre) erläutert. Schließlich wird der Frage nach der Verankerung von Ausländern in der deutschen Volkswirtschaft nachgegangen und ihre Rolle als Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Verbraucher, Sparer, Konsument mittels empirischer Erhebungen dargestellt. Der Aufsatz zeigt Zusammenhänge zwischen den verschiedenen sonst häufig nur partiell betrachteten Elementen der Ausländerbeschäftigung.
    Als Quellen werden Einschätzungen aus der Fachliteratur ebenso benutzt, wie `graue Behördenliteratur´.

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Zur Geschichte der Juden in der Türkei

  • Zur Geschichte der Juden - insbesondere der Sephardim - in der Türkei.
    In: Zeitschrift für Kulturaustausch 42(1992)2, S.202-207.

    Inhalt
    Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Geschichte der Minderheiten in der Türkei am Beispiel der Sepharden, die 1492 aus Spanien mit einem Edikt gegen Juden vertrieben wurden.
    Ein großer Teil wanderte ins Osmanische Reich ein. Die Geschichte der Einwanderer ist eng mit dem Aufstieg des Osmanischen Reiches und seinem langsamen Zerfall ab dem 16. Jahrhundert verbunden.
    Der Aufsatz schildert allgemein den Ort, den religiöse Minderheiten in der osmanischen Gesellschaftsordnung einnahmen, als auch die besondere Rolle, die das jüdische `mixet´, also die jüdische Glaubensgemeinschaft, darin innehatte. Schwerpunkt des Aufsatzes ist aber die Darstellung des historischen Wandels der Lage der Juden in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen und politischen Geschicke des Reiches und schließlich die Entwicklung ihrer Situation in der Geschichte der Türkischen Republik.
    In der wechselvolle Geschichte der Juden in der Türkei gibt es Perioden des relativen Wohlergehens ebenso wie Zeiten der Not und Unterdrückung. Wie weit etwa der osmanische Staat in die Selbstverwaltungsrechte der jüdischen und anderen Glaubensgemeinschaften eingriff, hing zum Beispiel von der Machtbalance zwischen den herrschen Elitegruppen ab.
    Dass das Staatsgrundgesetz von 1876 das System der `milet´ aufhob und auch die Juden zu osmanischen Bürgern erklärte, brachte auch Nachteile für die jüdische Minderheit mit sich und nicht automatisch wirkliche Gleichheit von Minderheiten und Muslimen. Gleichwohl hatten Bürger jüdischer Abstammung im 19. Jahrhundert hohe Staatsämter inne.
    Am Ende der Geschichte der Juden in der türkischen Republik steht eine Integration der Verbliebenen in die türkische Gesellschaft, die aber eine Wahrung der jüdischen Identität nicht verhindert. Auf der Grundlage des Wechsels der allgemeinen politischen Lage zeichnet der Aufsatz den historischen Verlauf der Geschichte der Juden in der Türkei in Stichpunkten nach: Der Aufsatz soll Anregung zur Überprüfung einseitiger Bewertungen geben, die sich beim Herausgreifen einzelner geschichtlicher Phasen oder bei abstrakten Abhandlungen über den Islam und die Juden und andere Minderheiten leicht ergeben.
    Quellen bieten europäische und US-amerikanische Publikationen aus der reichhaltigen Literatur zu den Sepharden, zur politischen und zur Wirtschaftsgeschichte des Osmanischen Reiches und türkische Arbeiten und Statistiken zur heutigen Situation.

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Die Religionspolitik im türkischen Erziehungswesen

  • Die Religionspolitik im türkischen Erziehungswesen von der Atatürk-Ära bis heute.
    In: Zeitschrift für Kulturaustausch 38(1988)2, S.234-247.

  • Mit Frau Prof. Dr. Beyza Bilgin: Der Religionsunterricht in der Türkei und sein religionspolitischer Kontext.
    In: Zeitschrift für Pädagogik. 35(1989)3, S.357-380.

    Inhalt
    Aufsatz 1 beschäftig sich mit der türkischen Auslegung des Laizismusprinzips, d. h. unter anderem dem Verzicht des Staates auf eine religiöse Legitimation. An Organisation und Inhalt des schulischen Religionsunterrichts wird gezeigt, dass diese Auslegung in der Türkei seit der Abschaffung des auf dem Koran basierten şeriat–Rechts und schließlich der Abschaffung des Islam als Staatsreligion einen stetigen Wandel erfahren hat.
    Aufsatz 2 gibt einen historischen Rückblick auf die Situation im Osmanischen Reich vor der Gründung der Republik und bezieht auch die Entwicklung der Schulen religiöser Minderheiten in der Türkei in die Darstellung ein. Vorab wird vermerkt: Es gibt im Islam bzw. in seiner Organisation im Osmanischen Reich vor der Gründung der Türkischen Republik keine Tradition einer unabhängigen klerikalen Organisation, die mit der der christlichen Kirche vergleichbar wäre. Deshalb wurde in der Republik Kemal Atatürks ein staatliches Amt für religiöse Angelegenheiten eingerichtet.
    Die Trennung von Islam und Staat in der Türkei, d.h. das Ausmaß staatlicher Enthaltung oder Intervention in Bezug auf religiöse Angelegenheiten würde jeweils, so war schon türkischen Kritikern bei der Gründung des Amtes klar, von der politischen Richtung der herrschenden Parteien abhängen.
    Vor dem geschichtlichen Hintergrund der Gründung des türkischen Nationalstaats wird beschrieben, welche Maßnahmen die autoritäre Staatsführung der Atatürk-Ära ergriff, um die drohende Aufhebung des republikanischen Staatswesens und die Wiedereinführung des islamischen eriat-Rechts durch Vertreter der alten Ordnung zu verhindern. Dazu gehörten theologische Reformversuche an der Universität Istanbul und schließlich die Abschaffung des Religionsunterrichts und der Ausbildung von Religionsbediensteten. Die Türken wählten sich schließlich eine demokratische Staatsform.
    Der Prozess des Abbaus religiöser Dienste des Staates kehrte sich ab 1946 um: Heute ist Religionsunterricht Pflichtfach an Schulen bis in die Oberstufe, ein Religionsunterricht, in dem zum Beispiel der Alevismus als falsches Wissen vom Islam bezeichnet wird. Seine Erteilung im zentralstaatlich organisierten Schulwesen ist in der Verfassung festgelegt. Die Berufsschulen für Religionslehrer und Religionsbedienstete sind längst Gesinnungsschulen, deren Absolventenzahl die Zahl der entsprechenden Arbeitsplätze in religiösen Einrichtungen bei weitem übersteigt. Die Theologin Beyza Bilgin von der Ilahiyat Fakültesi der AÜ, der Theologischen Fakultät der Ankara-Universität, erläutert die divergierenden Einstellungen von Schülern und Lehrern zu diesen Entwicklungen.
    Aufsatz 1 und 2 beschreiben die Strukturen des Verhältnisses von Staat und Islam in der Türkei und kennzeichnen die Tendenz seiner Entwicklung.
    Die Aufsätze ermöglichen Prognosen über den Fortgang des Reislamisierungsprozesses in der Türkei.
    Quellen: In Zitaten zu kontroversen Positionen kommen vor allem türkische Sachverständige zu Wort. Besonderheit der Aufsätze ist aber nicht nur die Kooperation mit Frau Bilgin und die zitatweise Einbeziehung von türkischen Fachleuten neben der englisch- und deutschsprachigen Grundlagenliteratur, sondern die Verwendung von Quellen der `Grauen Literatur´ aus der Türkei: Schulbücher, Parlamentsprotokolle, das Amtsblatt des Erziehungsministeriums, Unterrichtsrichtlinien, Arbeitsberichte der einschlägigen Gremien des Ministeriums, unveröffentlichte akademische Arbeiten, Zeitungsberichte.

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Die türkischen Dorfinstitute (Köy Enstitüleri) in ausländischen Schriften

  • Die Dorfinstitute in ausländischen Schriften. Über die Rezeption des türkischen Landentwicklungsmodells außerhalb der Türkei.
    In: Zeitschrift für Türkeistudien 3(1990)2, S.295-308.

    Inhalt
    Hier wird ein türkisches Bildungsmodell vorgestellt, welches die Pionieraufgaben der Türkischen Republik in ihrer Gründungsphase beispielhaft repräsentiert. Im Schulwesen sahen die Reformen die Senkung der Analphabetismusrate vor, das Grundschulwesen sollte flächendeckend über Anatolien verbreitet werden und die Curricula dem säkularen Staatswesen angepasst werden. Dazu Lehrer auszubilden, war Aufgabe der sogenannten Dorfinstitute.
    Aber diese 1943 gegründeten Ausbildungsstätten bildeten begabte Bauernkinder nicht nur zu Dorflehrern aus, sondern bereiteten sie auch auf Entwicklungsarbeit zur Modernisierung der türkischen Landwirtschaft vor. Leitprinzip der Pädagogik dieser Einrichtungen war ein `learning by doing´ gemäss der Empfehlungen des amerikanischen Pädagogen John Dewey. Die Dorfinstitute waren landwirtschaftliche Selbstversorger, vereinten dies aber mit einem anspruchsvollen theoretischen Schulprogramm, zu dem auch Theaterspiel und Literaturlesungen gehörten.
    Die Dorfinstitute haben vom pädagogischen Konzept her Ähnlichkeiten mit der Gorki-Kolonie Makarenkos oder Kerschensteiners Arbeitsschulprojekt. Das Bildungskonzept stellt eine `kopernikanische Wende´ in der türkischen Pädagogik zum selbstbestimmten praxisorientierten Lernen dar.
    Quellen Der Aufsatz schildert anhand der englischen, französischen und US-amerikanischen Quellen die Sicht des Auslands auf dieses türkische Entwicklungsprojekt und macht Angaben zu den Gründen der verhältnismäßig beschränkten ausländischen Rezeption dieses einzigartigen Unternehmens kemalistischer Reformen. In Abgrenzung zu idealisierenden türkischen Darstellungen enthält der Aufsatz Anmerkungen zur Einordnung dieses Schulmodells in die gesellschaftliche Entwicklung der Türkei, die die Schließung der Institute in den fünfziger Jahren ebenso erklärt wie ihre langfristige Auswirkung auf die türkische Lehrerbildung.

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Fluchthilfe für Verfolgte des NS-Regimes

Vorbemerkung:
Ein Teil der Veröffentlichung setzt sich mit der Ausgangslage der betreffenden Gruppe der Türkeiemigranten auseinander. Wie reagierten die Wissenschaftler, als die nationalsozialistischen Vertreibungs- und Vernichtungsmaßnahmen einsetzten? Wie kam es, daß ausgerechnet die Türkei und nicht ein z.B. sprachlich näher liegendes Land ihre Zuflucht wurde? Welchen Weg nahmen sie in die Türkei und wie erging es ihren weniger erfolgreichen Schicksalsgenossen?
Das Thema `Fluchthilfe und Nationalsozialismus´ ist bisher nur teilweise erforscht. Drei Aufsätze stellen meine Forschungsbeiträge zum Thema dar. Die Emigrationswege der Türkeiemigranten sind dabei Beispiel für allgemeine Aspekte des Themas.

  • Vom Nationalsozialismus vertriebene Wissenschaftler auf dem Markt. Die Arbeitsvermittlung des englischen Academic Assistance Council (SPSL) am Beispiel von Türkeiemigranten.
    In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 19(1996)4, S. 219-234.

    Inhalt
    Dieser Aufsatz beschäftigt sich am Beispiel der Türkeiemigranten mit den Bedingungen eines internationalen Arbeitsmarkts, auf dem sich nach 1933 Wissenschaftler um eine Anstellung bemühen mussten: Sie hatten in Deutschland mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ihre Existenzgrundlage verloren.
    Nationalsozialistische Maßnahmen trafen politisch oder `rassisch´ unerwünschte Wissenschaftler allgemein, aber später auch Angehörige einzelner akademischer Berufe. Erster Impuls aller Betroffenen und auch der Türkeiemigranten war in der Regel, nach England auszuwandern. Hier stießen sie auf die aus humanitären Gründen errichtete Hilfsorganisation `Academic Assistance Council´ (Society for the Protection of Science and Learning). Der Aufsatz zeigt, wie diese Hilfsorganisation zwischen den nationalen Immigrationsbeschränkungen zum Schutz des einheimischen Akademikermarkts und den Wünschen der Bewerber Emigranten auf einen Arbeitsplatz vermittelte und wie sie die Emigranten in ihrem internationalen Aktionsfeld plazierte oder auch abwies.
    So war die Wahl der Türkei als Land der Auswanderung häufig Resultat eines verdoppelten Drucks: Aus Deutschland vertrieben, konnten sich die Emigranten im Land ihrer Wahl nur kurz oder überhaupt nicht niederlassen und sie wanderten deshalb in die Türkei aus. Übrigens emigrierte so mancher Flüchtling auch in die USA nur, weil sich keine andere Möglichkeit auftat und nicht etwa aus einer Vorliebe für dies Land.

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  • Emigrantenhilfe von Emigranten - Die Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler im Ausland.
    In: Exil 14(1994)2, S.51-69

    Inhalt
    Dieser Aufsatz ist die Monographie der `Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland´, einer Organisation der Emigrantenselbsthilfe. Sie wurde von dem Pathologen Philipp Schwartz 1933 in Zürich gegründet. Ihre Aktivitäten fanden in der Vermittlung einer großen Gruppe arbeitsloser Akademiker auf türkische Arbeitsplätze im Universitätswesen einen Höhepunkt.
    Die Organisation zeichnet sich durch ihr Bemühen aus, eine Dachorganisation für alle Emigrantenhilfsorganisationen zu errichten. Dies scheiterte, wie andere Unternehmungen dieser Art, letzten Endes an den nationalen Interessen der Fluchtländer. Besonderes Merkmal ist weiter die Organisationsform der Notgemeinschaft. Emigranten organisierten Hilfe für Emigranten von den Orten ihrer Zuflucht aus.
    Die Arbeit der Notgemeinschaft konzentrierte sich dabei auf Entwicklungsländer. Besonders zu erwähnen ist, dass diese Hilfsorganisation, anders als etwa die Society for the Protection of Science and Learning, auf elitäre Auswahlkriterien bei der Arbeitsvermittlung weitgehend verzichtete. Sie vermittelte auch junge Akademiker und am Anfang der Karriere und Angehörige nicht-wissenschaftlicher akademischer Berufsgruppen. Der Artikel stellt vor diesem allgemeinen Hintergrund dar, wie in der Türkei die Reichsbehörden bei der Besetzung der Spezialisten-Stellen mit der Notgemeinschaft konkurrierten und deren Aktivitäten zu behindern suchten.

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  • Fluchthilfe
    In: Patrik von zur Mühlen / Klaus-Dieter Krohn (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration. Darmstadt 1998, S. 62-81.

    Inhalt
    “Die Welt schien zweigeteilt - in Gebiete, in denen die Juden nicht leben durften und Gebiete, in die sie nicht einwandern durften“ - so Chaim Weizmann, Präsident der Zionistischen Weltorganisation 1938. Wie ausweglos sich die Lage von Juden und Regimegegnern im Einflussbereich des NS-Regimes ab 1933 auch entwickelte, sie fanden Hilfe durch eine Vielzahl von Fluchthilfeorganisationen und oft genug von Einzelpersonen.
    Der Aufsatz umreißt anhand der Fülle von Einzeldarstellungen die Grundstrukturen dieses Geschehens. Geschildert werden Bedingungen, Ziele und Arbeitsweisen der Helfer und Organisationen angesichts der Entwicklung der NS-Politik einerseits und der Haltung der potentiellen Einreise-Länder gegenüber Flüchtlingen andererseits. Berücksichtigt werden dabei insbesondere international arbeitende Fluchthilfen, in Länderberichten des Handbuchs wird von den regionalen Initiativen berichtet. Der Aufsatz zeichnet die Konfliktlinien zwischen den Akteuren der Fluchhilfe vor dem historischen Hintergrund nach und beschreibt die divergierenden politischen Positionen.
    Als sich gegen Ende des Krieges die Flüchtlingslage extrem zuspitzte, operierten die Fluchthilfeorganisationen vornehmlich von der Türkei aus. Das War Refugee Board, die Jewish Agency for Palestine, das American Jewish Joint Distribution Committee, das Mossad organisierten von dort die Passage nach Palestina. Die Türkei änderte dazu ihre strikten Einreise-Bestimmungen und erließ ein Transfergesetz. So konnten noch kurz vor Kriegsende tausende von Flüchtlingen vor der Ermordung durch die Nationalsozialisten gerettet werden.
    Quellen sind, neben Publikationen zum Thema, vor allem europäisches Archivmaterial, wie Akten der Universitäten und anderen Einrichtungen, von denen die Emigranten entlassen wurden, die Akten der Hilfsorganisationen in London und Zürich, Schreiben aus Privatarchiven und Sammelstellen für Nachlässe, Akten von politischen Archiven und graue Literatur, gesammelt in der Germania Judaica Köln.

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Die Türkei und ihre Emigranten von 1933-1945

Vorbemerkung
Den Veröffentlichungen zur Emigration deutschsprachiger Wissenschaftler und anderer Verfolgter aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Türkei von 1933 bis 1945 liegt ein größeres, zunächst vom Zentrum für Antisemitismusforschung, dann mehrere Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Institut für Theorie und Geschichte der Medizin unterstütztes Projekt zugrunde.
Die Forschung folgt der Fragestellung: Welche Wirkung hatte die Emigration? Was bedeutete sie für die Emigranten? Was bedeutete sie für das Zufluchts-Land?
Die Themen der Veröffentlichungen leiten sich aus der Systematik der Wirkungsforschung ab. Wo die Emigrationsforschung über die Türkeigruppe hinaus Lücken aufwies, habe ich Forschungsergebnisse vorgelegt, die für das Gebiet der Wissenschafts-Emigration allgemein gelten.
Die besonderen Merkmale des türkischen Exils ergeben sich aus dem Vergleich mit anderen Emigrationsgruppen und -ländern, innerhalb der Gruppe zeichnen sie sich aus dem Vergleich der Emigranten untereinander ab. Ein solcher Forschungsansatz der Ortsbestimmung und Klassifizierung wirft ebenfalls ein Licht auf den Bestand der Emigrationsforschung insgesamt.
Meine Veröffentlichungen werden im folgenden im Sinne dieser Systematik (nicht in der zeitlichen Reihenfolge) dargestellt.
Ein Teil der Veröffentlichungen hat die Struktur der Wirkung der Arbeit der in die Türkei emigrierten Wissenschaftler und ihrer Mitarbeiten zum Thema.
Die bisher vorliegenden Arbeiten bieten keine Erklärung für die unterschiedlichen Wirkungsweisen dieser Wissenschaftler in der Türkei. Ob und wieviel akademische Schüler ein in die Türkei emigrierter, im Universitätswesen tätiger Hochschullehrer hatte, ob er auch in der Türkei Forschungsarbeiten vorlegte, ob er neue Forschungsgebiete erschloss, dies schien ausschließlich eine Frage der persönlichen Leistungsfähigkeit des einzelnen zu sein.
Ich untersuchte deshalb die soziale und politische Umgebung, der Emigranten, die Vorgeschichte ihrer Berufung und ihrer wissenschaftlichen Disziplinen, die weitere Geschichte ihres Schüler in der türkischen Wissenschaft und an anderen Positionen in der türkischen Gesellschaft sowie die Entwicklung der türkischen Wissenschaft insgesamt. Erst die Schilderung der verschiedenen Wirkfaktoren und ihrer Zusammenhängen ermöglicht die qualifizierte Beurteilung persönlicher Leistungen.

  • Wissenschaftstransfer durch Emigration - Deutschsprachige Naturwissenschaftler an der "Istanbul Üniversitesi".
    In: Beiträge zur Hochschulforschung 1990 (1/2), S.21-43.
  • Die Emigration deutschsprachiger Naturwissenschaftler von 1933-1945 in die Türkei in ihrem sozial- und wissenschaftshistorischen Wirkungszusammenhang.
    In: Herbert A. Strauss (Hrsg.): Die Emigration der Wissenschaft nach 1933, München 1991 S.73-104.

    Inhalt
    Die Aufsätze 1 und 2 schildern die Bedingungen des Erfolgs der Emigranten am Beispiel der Naturwissenschaftler unter den Emigranten. Danach ist die Entfaltung der Fähigkeiten einzelner zum Beispiel abhängig von seinem personellen Umfeld gewesen: Die kemalistischen Reformer stellten etwa den Emigrantenprofessoren - wenn möglich - türkische Assistenten zur Seite, die in Deutschland promoviert hatten und die deshalb auch fachlich qualifiziert waren, um die nicht nur rein sprachliche Transferaufgabe zusammen mit ihren Hochschullehrern zu meistern.
    Ebenso entscheidend für die Durchsetzung der Innovation eines Fachs war die Möglichkeit der Ordinarien, deutsches qualifiziertes wissenschaftliches Personal und technische Hilfskräfte mitzubringen - unabdinglich für die experimentelle Praxis in den Naturwissenschaften und der Medizin. Schließlich war der Synergieeffekt von Bedeutung, der sich durch die Gruppenberufung von Emigranten an türkische Institutionen ergab: In den Naturwissenschaften waren über 2/3 der Lehrstühle mit der Modell-Universität Istanbul deutschsprachigen Emigranten besetzt. Ihre Fachgebiete ergänzten sich nicht nur untereinander im Sinne eines in der Türkei neuen Wissenschaftsstandards, sondern die moderne Fachlehre und Forschung ergänzte sich auch mit dem Fachverständnis von Vertretern anderer Fächer wie etwa der Philosophie (Logischer Positivismus) oder Psychologie (experimentelle Psychologie). Erkenntnisse moderner Wissenschaft konnten so in der Lehre der türkischen Nachwuchswissenschaftler in ihrer Interdependenz vermittelt werden
    Für das Fußfassen eines Fachtransfers war nicht nur der unmittelbare Rahmen des Reformprojekts entscheidend. Ausschlaggebend waren weiter die historischen und im engeren Sinne wissenschaftshistorischen Voraussetzungen für das Reformprojekt mit ausländischen Wissenschaftlern und der einzelnen, von ihnen vertretenen Fächer.
    In welcher Weise sich ein Fach etablieren ließ, hing schließlich auch davon ab, ob unter den türkischen Bedingungen Forschung möglich war , oder ob es sich anbot, den Tätigkeitsschwerpunkt auf die Lehre oder auf die Anwendungspraxis eines Fachs zu legen.
    Vor dem Hintergrund solchen Umfelds beschäftigt sich schließlich Aufsatz 2 mit einer Gruppenanalyse der akademischen Schüler (Naturwissenschaftler) der Emigranten in der Türkei und zeigt über deren Werdegang im türkischen Universitätswesen Kontinuitäten und Nachwirkungen der Emigrantenberufungen auf.

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  • Medizinemigration in die Türkei.
    In: Albrecht Scholz/Caris-Petra Heidel (Hrsg.): Emigrantenschicksale. Einfluss der jüdischen Emigranten auf Sozialpolitik und Wissenschaft in den Aufnahmeländern. Frankfurt 2004, S.65-82.

    Inhalt
    Der Aufsatz gibt einen Überblick über die Gruppe der Mediziner unter den Türkeiemigranten. Er enthält Hinweise auf zeitgebundene Bewertungen des Emigrantenthemas: Einmal werden noch 15 Jahre nach dem II. Weltkrieg die Vertreibungsgründe aus einer Darstellung der Türkeiemigration ausgeblendet. Dabei ist dies auch dann nicht gerechtfertigt, wenn es explizit nur um die Leistungen der Emigranten in der Türkei geht: Denn deren Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen waren auch in der Türkei von nationalsozialistischer Rassepolitik beeinflusst.
    Gegenüber einer solchen Ausblendung der Vertreibungsgründe wird heute oft der nationalsozialistische Rasseterror pauschal als Grund zum Verlassen Deutschlands angegeben. Emigranten wird allgemein eine generelle Ablehnung des Nationalsozialismus unterstellt. Damit wird das heute politisch korrekte Urteil zum Thema NS-Herrschaft rückwärts projiziert und die häufig geforderte Aufarbeitung verhindert. Die korrekte Haltung ersetzt hier die wissenschaftliche Recherche im Detail. In diesem Sinne wird auch der Türkei ein mit dem `Reich´ vergleichbarer Rassismus unterstellt, dem die Emigranten dort ausgesetzt gewesen sein sollen. Der Aufsatz kennzeichnet demgegenüber die Vertreibungsgründe und beschreibt die entsprechenden Emigrationsschübe in die Türkei sowie rassistisch motivierte türkische Reaktionen darauf, sowie die Haltung der kemalistischen Staatsführung.
    Weiter werden die Aufnahmebedingungen für die Türkeiemigranten dargestellt. Die Mediziner erfuhren in der Türkei besondere Einschränkungen aus Gründen türkischer Konkurrenz. So durften ausländische Ärzte in der Türkei nicht praktizieren. Für ihre Aufnahme an der Universität musste ein Sondergesetz erlassen werden.
    Über diese Eingangsbedingungen hinaus enthält der Artikel weiter eine Klassifizierung der Wirkformen der aus dem nationalsozialistischen Deutschland entlassenen Akademiker: Während in anderen Exilländern emigrierte Wissenschaftler durch Beiträge zum Forschungsfortschritt ihres Fachs internationales Renommé erlangten, liegt der Schwerpunkt der Wirkung von Emigranten in Entwicklungsländern wie der Türkei eher in der Lehre oder in der Veränderung gesellschaftlicher Einrichtungen der Anwendung ihres Fachs. An einem Beispiel wird ein für das Exilland Türkei typischer Werdegang eines dorthin emigrierten Mediziners vorgeführt.

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  • Arbeits- und Lebensbedingungen im Exil: Türkei.
    In: Patrik von zur Mühlen/Klaus-Dieter Krohn (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration. Darmstadt 1998, S.426-434.

    Inhalt
    Der Aufsatz gibt einen Überblick über das türkische Exil für Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Türkei. In diesem Handbuch-Beitrag werden Vertreter aller Fachrichtungen berücksichtigt. Dargestellt werden die Vertreibungsgründe im nationalsozialistischen Deutschland und die Aufnahmebedingungen in der Türkei. Geschildert werden auch die Gründe der Emigranten, als Exilland die Türkei zu wählen, so wie ihre Motive, in andere Länder weiterzuwandern. Weiter werden die Orte der Anstellung aufgelistet und die Schwerpunkte der Arbeit der Emigranten in der Türkei besprochen. Es werden die Werke hervorgehoben, mit denen Türkeiemigranten einen international anerkannten Forschungserfolg erzielten. Ebenso wird beschrieben in welcher Weise Emigranten eine Innovationswirkung auf die türkische Wissenschaft und die Gebiete ihrer Anwendung in der Türkei ausübten.
    Unterlagen zu den Aufsätzen sind Verwaltungs- und Personalakten der Arbeitsstellen der Emigranten vor ihrer Emigration aus Universitätsarchiven (heutiges deutsches Staatsgebiet und Prag, Wien, Breslau); Akten der Universitäten Istanbul und Ankara, der übrigen Modelleinrichtungen, an denen Emigranten in der Türkei arbeiteten, wie das Hıfzısıhha Enstitüsü, das Nümune Hastahanesi, das Maden Tetkik Arama Enstitüsü; Quellen sind weiter der Nachlass des Yüksek Ziraat Enstitüsü, private Sammlungen der türkischen Schüler der Emigranten, türkischsprachige Arbeiten der Emigranten in türkischen Fachzeitschriften sowie Fachbücher und Lehrbücher aus den genannten Archiven und der türkischen Nationalbibliothek, Parlamentsprotokolle aus dem Archiv des türkischen Parlaments, Arbeiten der Emigranten in internationalen Fachzeitschriften sowie ihre wissenschaftlichen Buchpublikationen außerhalb der Türkei. Sammelstellen für diese Akten, Nachlässe, dem Briefverkehr der Emigranten mit befreundeten Wissenschaftlern sind das Bundesarchiv Koblenz, Brandenburg, Merseburg, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Institut für Zeitgeschichte und das Zentrum für Antisemitismusforschung Berlin. Ausgewertet wurden auch Akten des Politischen Archivs des Auswärtigen Amts, des Berlin Document Center, Autobiographien der Emigranten, Autobiographien der Emigrantenschüler und türkische Monographien über die Institutionen, an denen Emigranten gearbeitet haben, Monographien zu Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen des Reichsgebiets, deutsche, englische und US-amerikanische Publikationen zum Thema Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland.
    Ergänzt werden diese Quellen durch Interviews mit türkischen Emigrantenschülern und türkischen Zeitzeugen, durch Interviews und Schriftverkehr mit Emigranten und deren Verwandten sowie Zeitzeugen in Deutschland den USA und England.

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  • Sığınmacı Alman bilim adamlarının etkisi ve o dönemin Türk-Alman ilişkileri. (Das Wirken deutscher Wissenschaftler im türkischen Exil vor dem Hintergrund der damaligen deutsch-türkischen Beziehungen). Türkisch mit deutscher Zusammenfassung. In: Mimarlar Odası Ankara Şubesi (ed.): Ankara - Bir başkentin oluşumu 1923-1950. (Türkische Architektenkammer Ankara (Hrsg.): Ankara - Die Entstehung einer Hauptstadt 1923-1993), Ankara 1994, S.26-36.
  • The Politics Behind the Scientific Transfer Between Turkey and Germany in the Case of the Yüksek Ziraat Enstitüsü in Ankara.
    In: Review of the Faculty of Political Sciences of the Ankara Üniversitesi 55(2000)2; S. 38-53.

    Inhalt
    Emigranten arbeiteten in der Türkei nicht allein. Sie hatten in der Türkei deutsche Fachkollegen, die das `Reich´ für eine Tätigkeit in der Türkei beurlaubt hatte. Ungeachtet der unterschiedlichen politischen Voraussetzungen des Aufenthalts unterhielten die Emigranten in vielen Fällen Kontakt mit den `reichsentsandten´ Kollegen. Weiter gab der türkische Staat vielen der auf leitende Positionen berufenen Emigranten Gelegenheit, das für den Aufbau ihres Wirkungsfelds nötige Fachpersonal aus Deutschland mitzubringen. Diese Personengruppe spielte eine wichtige Rolle in der Etablierung moderner Forschung und Lehre im Rahmen des Wissenschaftstransfers durch Emigranten.
    Die Verfolgung von im nationalsozialistischen Deutschland Vertriebenen, die ab 1933 in der Türkei eine Zuflucht fanden, hörte mit dem Verlassen Deutschlands nicht auf. Die Geschicke der Emigranten und damit auch ihre Arbeitsmöglichkeiten hingen von ihrem Emigrantenstatus ab. Wie aber gestaltete sich dieser in der Türkei?
    Für das türkischen Exils war entscheidend, dass die Türkei enge Beziehungen zum `Reich´ unterhielt und dass Reichsangehörige und unter ihnen Nationalsozialisten neben den Emigranten in der Türkei lebten und arbeiteten.
    So gab es neben den mit Emigranten besetzten türkischen Reformeinrichtungen auch solche, an die `Reichsprofessoren´ berufen wurden. Die grösste dieser Art war die Landwirtschaftliche Hochschule in Ankara, das Yüksek Ziraat Enstitüsü. Der Artikel stellt diese Einrichtung von ihrer fachlichen Seite dar.
    Der Artikel berichtet weiter von dem fachlichen Austausch von Emigranten und reichsdeutschen Kollegen. Er entwirft darüber hinaus die politische Landschaft, in der sich die Emigranten und ihre Kollegen in der Türkei begegneten und beschreibt die Dynamik innerhalb der deutschen Kolonie in der Türkei. Die politischen Interventionsversuche des NS-Regimes entfalteten zwar auch eine Bedrohung für Emigranten, wirkten sich aber vor allem negativ für die reichsdeutschen Wissenschaftlerin der Türkei aus. Denn der türkische Staat entfernte die reichsentsandten Fachkräfte, unter denen die NS-Vertreter eine `Gleichschaltung´ versucht hatten, von ihren Ämtern an der Landwirtschaftlichen Hochschule. Der Artikel schildert auch den allgemeinen Rahmen dieser Ereignisse: Die türkische Immigrationspolitik und die Reaktionen der Reichspolitik auf die türkisch Bevorzugung von Emigranten bei den Ausländerberufungen.
    Artikel 2 erläutert zwei bisher in der Türkei weniger bekannte Aspekte der Emigrantenberufungen: Er schildert die Zusammenarbeit zwischen Emigranten und Reichsdeutschen und die Wirkung der Zusammenarbeit der Vertreter der unterschiedlichsten Fachgebiete auch beim Aufbau der neuen Hauptstadt Ankara. Dort planten z.B. emigrierte Architekten die wichtigsten Funktionsbauten und Wohnhäuser und Siedlungen. Insbesondere arbeiteten aber Emigranten in den von ihren Schicksalsgenossen geplanten modernen Universitätsgebäuden und Krankenhäusern, wie sie heute in Ankara und Istanbul noch zu sehen sind.
    Weiter werden die politischen Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie in Ankara dargestellt.
    Quellen sind Archivakten des Bundesarchivs, Abteilung Potsdam, zeitgenössische Artikel aus türkischen und deutschen Tageszeitungen, Biographien der Architekten unter den Türkeiemigranten, Parlamentsprotokolle, Personalakten der Universität Ankara, Emigrantenveröffentlichungen in der Türkischen Nationalbibliothek.

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  • Frauen im türkischen Exil und ihr Beitrag zur türkischen Wissenschaftsgeschichte.
    In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 28(2005)4), s.337-353.
  • Margarethe Reininger, Esther von Bülow und Lotte Löwe und ihr Beitrag zum medizinischen Wissenschaftstransfer in die Türkei.
    In: Albrecht Scholz/Caris-Petra Heidel (Hrsg.): Emigrantenschicksale. Einfluss der jüdischen Emigranten auf Sozialpolitik und Wissenschaft in den Aufnahmeländern. Frankfurt 2004, S.139-154.

    Inhalt
    Die Emigrationsforschung richtet sich bevorzugt auf politische, literarische und wissenschaftliche Prominenz. Rudolf Benz stellt fest, `dass nach der liebevollen Beschäftigung mit den großen und edlen Geistern ein beträchtliches Stück der Realität der Erforschung noch bedarf.´ Auf ein solches Stück der Realität beziehen sich die beiden Aufsätze.
    Während in vielen Exilländer eine Fachwirkung auf autochthone Wissenschaftsstrukturen in der Regel von Männern ausgeübt wurde und die weibliche Leistung eher in der Existenzsicherung der Familie bestand, haben Exilantinnen zwischen 1933 und 1945 in der Türkei einen entscheidenden Beitrag zur Wissenschaftsreform der Türkei geleistet. Auch dort waren sie nicht in den höchsten akademischen Positionen tätig.
    Aber die in die Türkei emigrierten Professoren hätten ihre Aufgaben in der Türkei nicht ohne die zahlreichen akademischen und technischen Fachkräfte bewältigen können, die mit ihnen in die Türkei kamen. Häufig waren diese Fachkräfte schon in Deutschland ihre Mitarbeiter gewesen.
    Unter ihnen war eine große Zahl Frauen. Die Akademikerinnen gestalteten in der Türkei als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen den Aufbau der Institute. Sie stellten Material für die Lehrbücher zusammen, die die Institutsleiter laut Vertrag verfassen mussten, erstellten selbst Texte, Labormaterial und technische Geräte und richteten Labors und Bibliotheken ein. Sie führten im Gebiet der Hochschullehrer auch eigenständige Forschung durch. Nur konnten sie in der Türkei ihre wissenschaftliche Karriere nicht fortsetzen, da eine Habilitation dort nicht möglich war.
    Die meisten wanderten deshalb nach zwei bis drei Jahren in die USA weiter. Besonders wichtig war für den Transfer der anwendungsbezogenen Fächer der Naturwissenschaften und der Medizin die Tätigkeit der technischen Hilfskräfte unter den Emigranten. Unter ihnen war der Frauenanteil besonders hoch. Eine moderne Krankenbehandlung oder etwa die Einführung der Gerätemedizin wäre ohne die mit den Professoren berufenen Krankenschwestern oder medizinisch-technischen Assistentinnen nicht möglich gewesen.
    Denn in der Türkei fehlte zur Zeit der Emigrantenanstellung besonders die personelle Infrastruktur für die Einführung moderner Forschung und Lehre.
    Die wichtigste Aufgabe beim Wissenschaftstransfer durch Emigranten war insgesamt die Ausbildung von türkischen Nachfolgern der Emigranten. Hier waren es die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, die die Arbeiten des türkischen akademischen Nachwuchses anleiteten. Aber ebenso wichtig war das Ausbilden von türkischem Hilfspersonal, das lange Jahre ausschließlich von deutschen Fachkräften der Emigrantenlehrstühle geleistet wurde, sei es von Operations- und Diätschwestern, von Laborantinnen, Röntgenassistentinnen oder von akademischen Laborleiterinnen.
    So fanden die Emigrantinnen in der Türkei bei aller Not durch Vertreibung und Emigration die Möglichkeit der positiven Ausgestaltung ihrer Lage.
    Quellen zu diesen Arbeiten sind die türkischen Akten der Arbeitsstellen der Emigranten in der Türkei, Akten der Emigranten-Hilfsorganisationen, Akten des politischen Archivs des Auswärtigen Amts, mündliche Berichte und Briefe von Emigranten und in der Türkei tätigen Reichsdeutschen über die deutsche Kolonie in Ankara und Istanbul, Monographien zum Aufbau der neuen Hauptstadt Ankara, Publikationen über die Beziehungen der Türkei zum nationalsozialistischen Deutschland.

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Wissenschaftstransfer ins Osmanische Reich

    Vorbemerkung
    Die Berufung von Emigranten in die Türkei hat eine fachliche und auch allgemein politische Vorgeschichte. Sie ist Teil der Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen, die bis weit in die Zeit des Osmanischen Reichs zurückreichen. Die Arbeit der Emigranten in ihrem Fachgebiet ist Teil der internationalen Fachgeschichte, aber auch Teil der besonderen türkischen Wissenschafts- und Bildungsgeschichte und der Geschichte des Wissenschaftstransfers aus Deutschland, den bereits der osmanische Staat gefördert hat.

    • Scoundrel or Gentleman? The Image of the Turk and the German Cultural Mission in Turkey During World War I.
      In: Nedret Burçoğlu (Hrsg.): The Image of Turkey in Europe. Istanbul 1999; S.109-141.

      Inhalt
      Deutsch-türkische Wissenschaftsbeziehungen begannen nicht erst mit der Berufung von Emigranten auf türkische Lehrstühle ab 1933. Vielmehr war schon zu Zeiten des osmanischen Reichs die Entsendung von Fachleuten und Wissenschaftlern probates Mittel auswärtiger Kulturpolitik europäischer Länder, die ihre Wirtschaftsinteressen mit kulturpolitischen Angeboten beförderten. Der osmanische Staat nutzte seinerseits diese Angebote, um Reformen auch des Bildungswesens durchzuführen. Vor dem Hintergrund des internationalen politischen Machtgefüges in Hinblick auf die sog. `Orientalische Frage´ gewann die ´späte Nation´ Deutschland erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Einfluss im Osmanischen Reich.
      Deutschland hielt zwar geringe Anteile an der Schuldenverwaltung des Osmanischen Staats durch die europäischen Schuldner und hatte geringeren Anteil am Außenhandelsvolumen als England und Frankreich. Kolonisierungspläne ließen sich nicht mehr verwirklichen. Deutsche Aktivitäten im osmanischen Bildungssystem waren jedoch lebhaft und reichten von der personellen und materiellen Ausstattung einer Universität bis zur Einsetzung eines deutschen Geheimrats bei der Reform des Grundschulwesens im Rahmen einer deutschen Kulturmission parallel zur deutschen Militärmission. Höhepunkt der Wilhelmischen Orientpolitik war schließlich der Bau der Bagdad-Bahn. Deutsche Berater waren Anfang des 20. Jahrhundert in fast allen Schlüsselinstitutionen des Osmanischen Reichs tätig. Weiterer Höhepunkt war die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft im I. Weltkrieg.
      Doch Deutschland hatte seine Beziehungen zur Türkei in einer Zeit intensiviert, in der die Jungtürkische Bewegung die Bereiche ausländischen Einflusses nationalisierte. Unter den europäischen Akteuren auf dem osmanischen Staatsgebiet waren es ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Deutschen, die die Auswirkungen des neuen Nationalismus besonders zu spüren bekamen.
      Dies rief angesichts des hohen moralischen Anspruchs, der die sog. `friedliche Durchdringung´ des Osmanischen Reichs durch Akteure der deutschen Wirtschaft und Kultur begleitete, Empörung in der deutschen Kolonie hervor. Vertreter der deutschen Kulturpolitik behaupteten, anders als der Hauptnutznießer osmanischer Ressourcen, Frankreich, `im Sinne der Türken und nicht gegen sie zu handeln´.
      Dabei gingen die deutschen Sachverständigen von einer dauerhaften Unselbstständigkeit der Türkei aus, die der Führung bedürfe. Der Aufsatz schildert vor diesem Hintergrund die Argumentationsmuster und gegenseitigen Zuschreibungen von `Volksmentalitäten,´ die die deutsch-türkischen Konflikte vor und während des I. Weltkriegs begleiteten.
      Einer überlegen-paternalische Haltung deutscher Fachleute machte die Türkei nach der Gründung des türkischen Nationalstaats ein Ende. Vertreter nationalsozialistischer Kulturpolitik versuchten im Rahmen der auch in den dreißiger Jahren engen deutsch-türkischen Beziehungen eine `Gleichschaltung´ unter den vom `Reich´ entsandten Deutschen in der Türkei. Sie proklamierten in den bilateralen Beziehungen ungebrochen die ideologische Überlegenheit Deutschlands vor Frankreich, England und Russland und `die Achtung vor dem Lebensrecht anderer Völker´. Aber angesichts nationalsozialistischer Interventionsversuche entließ der türkische Staat viele reichsentsandte Fachleute aus ihren Stellen in der Türkei.
      Quellen sind zeitgenössische und aktuelle englische und deutsche Publikationen zur deutschen Orientpolitik, zur deutschen Kultur- bzw. Militärmission in der Türkei, zum Bau der Bagdad-Bahn, zur wirtschaftlichen Lage des Osmanischen Reichs, deutsche und türkische Publikationen zur osmanischen Geistes- und Bildungsgeschichte, sowie Akten des Politische Archivs des Auswärtigen Amts.

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    • Monsieur, ce n´est pas au Galata Sérai qu´il faut venir chercher la religion. Medical Science as Field of Innovations from Europe in the Ottoman Empire.
      In: EJOS VIII(2005)3, S.1-17.

      Inhalt:
      For both advocates and opponents, the debate on Turkey's future accession to the EU often turns on the question of whether Turkey belongs to Europe. But what are the criteria? This article traces one historical dimension of a long and changing relationship, by exploring the interaction between Ottoman Empire and Europe in the field of medicine and medical training.
      Academic and scientific links between the Ottoman Empire and Europe went back many centuries, and medicine was a particular focus of science transfer. Europe had been able to rediscover the medical advances made in Antiquity thanks to the work of Islamic scholars in preserving and developing the classics. From the 16th century, however, medical knowledge flowed in the other direction, as Ottoman physicians sought access to the results of empirical medical research made possible by the scientific discoveries of the Renaissance.
      In the Ottoman Empire modern medical training and empirical research were finally established in the context of the political, and above all military, reforms carried out in the 18th and 19th century. The Ottoman rulers had to force through these changes in the face of opposition from groups in society who saw their position threatened by the emergence of a technical and scientific elite. Resistance to the modern institutions came primarily from the group of religious dignitaries whose power stemmed from their interpretation of Islamic seriat law and their control over the institutions of higher learning. The military reforms of the 19th century required the establishment, alongside the traditional education system, of modern teaching based on empirical demonstration and practical experimentation. Students needed to engage with the very latest scientific developments.
      The new institutions were to be run initially by European academics and administrators brought in by the Sublime Port, but with the support of innovative Ottoman scientists and members of the Empire's religious minorities, especially Christians and Jews. The opening of a medical academy at the Galata Saray in 1839 marked the final breakthrough to modern medicine in the Ottoman Empire. The Josephsakademie in Vienna served as its model and supplied the senior staff.
      As the academy's patron, Sultan Mahmut II delivered an inaugural speech which set out the reform agenda. Starting with an analysis of this speech, this article explains the conditions that led to the foundation of the Galata Saray Tıbbiyesi and examines the academy's impact on the further development of medicine through to the creation of the Turkish Republic in 1923.

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    • Robert Rieder und der militärmedizinische Wissenschaftstransfer in die Türkei.
      Erscheinungsort offen.

      Inhalt
      Das osmanische Reich führte im 19. Jahrhundert, ausgehend von der Erneuerung des Militärwesens, umfassende Bildungsreformen durch. Doch die Bemühungen um ein integriertes Schulsystem und einen anschließenden universitären Ausbildungsbereich blieben uneinheitlich. Akademischen Einrichtungen fehlte die Basis eines einheitlichen Grundschulwesens. Nebeneinander bestanden islamische, zivile und militärische Ausbildungsstätten. Erst in der türkischen Republik gelang mit einem zentralisierten Reformansatz schließlich eine grundsätzliche Neukonstitution des gesamten Bildungssystems.
      Allerdings konnten dabei die kemalistischen Reformer die Neuerungen aus den Zeiten des Osmanischen Reichs nutzen und fortführen. Bei aller Disparität der Maßnahmen hatten bereits im osmanischen Reich `Inseln der Innovation´ bestanden, wie die Galatasaray-Tıbbiyesi (Medizinische Militärakademie) oder das Galatasaray-Lisesi (Gymnasium). An diesen Gründungen hatten Ausländer einen entscheidenden Anteil. Die Einrichtungen hatten zwar eine starke Ausstrahlung auf die Entwicklung des Bildungswesens insgesamt, ohne aber in ihrem Ausbildungsniveau auf Dauer Bestand zu haben. Manche Modell-Institutionen konnten ihren Anspruch überhaupt nicht verwirklichen: So blieb die Errichtung einer Universität mit deutschen Hochschullehrern in den Anfängen stecken.
      Ähnlich wie schon von der Hohen Pforte deutsche Akademiker zur Reform der Universität in `Stambul´ geholt wurden, so wurde der Bonner Chirurgie-Professor Robert Rieder zur Reorganisation der militärischen Medizinakademie nach Konstantinopel berufen. Konnte Rieder diese Reorganisation auch nicht nach Plan durchführen, so gelang ihm das wohl erfolgreichste Unternehmen deutscher Kulturpolitik in der osmanischen Türkei.
      Er gründete das medizinisches Lehrkrankenhaus Gülhane, an dem die Absolventen der medizinischen Militärakademie ein einjähriges Praktikum absolvierten. Das Krankenhaus war auch für die Gesundheitsversorgung der mittellosen Istanbuler Bürger zuständig. Der Aufsatz schildert, welche Voraussetzungen sich für Rieder und seine deutschen und türkischen Mitarbeiter und Nachfolger günstig auswirkten.
      Einmal war von Bedeutung, dass das Krankenhaus und seine materielle Ausstattung unmittelbar dem türkischen Kriegsminister unterstand. Dieser förderte das Projekt, ohne dass divergierende politische Interessen intervenieren konnten. Weiter trug Rieders Haltung gegenüber der Türkei entscheidend zu seinem Erfolg bei. Anders als viele Vertreter deutscher Kulturpolitik verstand er es, seine Arbeit den türkischen Gegebenheiten anzupassen.
      Auf seine Veranlassung erlernte zum Beispiel die deutsche Oberschwester des Krankenhauses die türkische Küche, um die Krankenkost den türkischen Gewohnheiten anpassen zu können. Der Behandlung der Kranken basierte auf experimentellen Untersuchungen zu den in der Türkei auftretenden Krankheiten. Von dieser Forschungsarbeit und der Erfahrung mit der Krankenbehandlung auf dieser Grundlage profitierten die angehenden türkischen Militärmediziner.
      Am Gülhane-Krankenhaus entstand eine moderne medizinische Schule der Inneren Medizin, deren Vertreter bei den Reformen des Gesundheitswesens in der türkischen Republik eine große Rolle gespielt haben. Einige Absolventen der Lehranstalt Gülhane wurden zu Organisatoren des medizinischen Wissenschaftstransfers mit deutschen und österreichischen Emigranten.
      Quellen zu dieser Arbeit sind die Veröffentlichungen türkischer und deutscher Historiker verschiedener fachlicher Schwerpunkte und vor allem auch die Darstellungen Rieders zu seinem Werk in der Türkei. Auch seine Kollegen und Nachfolger haben Arbeiten zum Krankenhaus hinterlassen, zusammen mit medizinischen Berichten in deutschen Fachzeitschriften. Besondere Berücksichtigung finden auch Publikationen deutscher Militärmediziner im I. Weltkrieg und Berichte über die Aktivitäten der deutschen Militärmission im Osmanischen Reich.

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    Scientific Research und Science Policy in Turkey

    Vorbemerkung
    Immer wieder wird besonders in der Türkei nach den Nachwirkungen der Emigranten aus Deutschland gefragt, die vor dem Nationalsozialismus in die Türkei flohen. Einstmals umgab die deutschen Emigranten-Professoren der Mythos der Heilsbringer. Mit dieser Aura umhüllten sich auch ihre türkischen Schüler, die allerdings in der Tat die Gründungselite des türkischen Hochschulwesens bilden.
    Heute hat in der türkischen Wissenschaft längst ein Generationenwechsel stattgefunden. Die Ordinarien, die einen deutschen `Hoca´ hatten, sind emeritiert, viele sind verstorben. Aber nicht nur deshalb wird heute der Einfluss der Emigranten auf die türkische Wissenschaft von manchen türkischen Historikern eher gering, wenn nicht überhaupt negativ eingeschätzt. Es hat ein Paradigmenwechsel in der türkischen Geschichtswissenschaft und anderen Gesellschaftswissenschaften stattgefunden: Die Glorie, mit der die historische Reform-Phase der türkischen Republik, die Atatürk-Ära, einst umgeben war, wird demontiert. Diese Demontage kann erhellend wirken.
    Sie schlägt jedoch häufig in einen bloßen Bewertungswechsel um. Davon ist auch der Wissenschaftstransfer mit Emigranten betroffen. Einer der Vorwürfe ist, ihre Arbeit hätte keine Nachwirkungen hinterlassen. Grundsätzlich wird bei dieser Aussage übersehen, dass deutschsprachige Emigranten die Konstitution des modernen türkischen Staates mitgeprägt haben, sei es das Rechtswesen, sei es das Verwaltungssystem oder das Gesundheitswesen oder die moderne türkische Musikkultur und Architektur. Mit Nachwirkung ist aber gemeint: Die Emigranten hätten die türkische Wissenschaft auf das Niveau der Welt-Forschungszentren Europas und der USA bringen müssen. Dies hätten sie versäumt.
    Gleich, auf welchen Stand die Wissenschaft damals angehoben wurde – je unterschiedlich in den verschiedenen Disziplinen – wie hätten die Emigranten einen Innovationsschub ein für alle Mal zementieren sollen? Ein solcher Begriff der Nachwirkung abstrahiert einmal mehr von den je historischen Bedingungen, unter denen Wissenschaft stattfindet. Er perpetuiert den Mythos im negativen Sinne.
    Meine Recherche zeigt: Was die Emigranten damals haben erreichen können, haben sie erreicht. Sie haben ihren Schülern wissenschaftliches Denken, wissenschaftliche Methodik vermittelt. Das ist es jedenfalls, was die türkischen Akademiker selbst als den wichtigsten Ertrag der Emigrantenarbeit betrachtet haben.
    Dies bedeutet, dass sie und ihre Nachfolger im besten Fall ihr Fachgebiet weiterentwickelt haben. Der Erfolg der Emigranten ist, dass die türkischen Schüler ihre deutschen akademischen Lehrer überholt und inhaltliche Spuren ausgelöscht haben.
    Ein Blick auf die zeitgenössische türkische Wissenschaft zeigt, unter welchen Bedingungen türkische Wissenschaftler heute arbeiten und wo sie im Weltvergleich Erfolge erzielen.

    • Scientific Research und Science Policy in Turkey.
      In: EUROresearch - An Overview of Research Policy in Europe. Stuttgart 1996, S. 1-23.
      Vollständiger Text in: L' AFEMOTI - Association Francaise pour l' Étude de la Méditerranée Orientale et du Monde Turco-Iranien (Hrsg.) : CEMOTI- Cahiers d'Etudes sur la Mediterranée Orientale et le Monde Turco Iranien N° 26 1998, S. 197-227.

      Inhalt
      Die Türkei ist ein wirtschaftliches Schwellenland. So positioniert man das Land im allgemeinen nach Weltmarktkriterien. Was bedeutet das für den Bereich `Forschung und Entwicklung´, der den türkischen Wirtschaftsunternehmen angeschlossen ist? Welche Rolle spielt heute universitäre Forschung, nachdem das Land einstmals sein Universitätswesen mit Hilfe von Emigranten modernisierte? Welchen Platz nimmt die türkische Forschung im internationalen Vergleich ein?
      Der Aufsatz beantwortet diese Fragen. Dazu werden zunächst die türkischen Strukturen von Forschung und Lehre dargestellt.
      Der Aufsatz zeichnet eine Landkarte der türkischen Forschungseinrichtungen nach ihrem institutionellen Kontext im türkischen Verwaltungs- bzw. Bildungssystem und der Wirtschaft und beschreibt ihre Ziele und Leistungen. Wenn Betriebe der türkischen Staatswirtschaft nach und nach privatisiert werden und die staatliche Regulierung Marktgesetzen breiteren Raum gibt, so ist doch der staatliche Apparat der Technologieentwicklung schwerfällig und freie Forschung unzureichend gefördert.
      Hinderlich für Innovation wirkt auch, dass den Universitäten aus politischen Gründen eine reglementive Zwangsjacke angelegt wird. Berücksichtigt man diesen Hintergrund, ist allerdings positiv zu bewerten, dass die Türkei im Weltvergleich in manchen Gebieten der Naturwissenschaft und Medizin nicht nur eine überdurchschnittliche Publikationsdichte erreicht, sondern dass türkische Arbeiten auf manchen naturwissenschaftlichen und medizinischen Gebieten auch eine überdurchschnittliche Zitationshäufigkeit erzielen.
      Quellen sind türkische Buchpublikationen und graue Literatur wie Arbeitsberichte und Rundschreiben türkischer staatlicher Forschungseinrichtungen und der zuständigen Behörden oder Lageberichte von Unternehmerverbänden, sowie Statistiken und Analysen der Wissenschaftsredaktion der Tageszeitung `Cumhuriyet´.

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